Der Portugiesische Verband der Zertifizierten Buchhalter (OCC) warnte diese Woche, dass Tausende IRS-Rückerstattungen (imposto sobre o rendimento de pessoas singulares) bei der Steuerbehörde steckenbleiben. Präsidentin Paula Franco sprach von "milhares de declarações por liquidar" und erklärte, dass der Prozess "parado" sei. Die Meldungen wurden in portugiesischen Medien breit aufgegriffen, von Jornal de Notícias bis RTP. Das Timing ist bemerkenswert: Portugal schloss am 30. Juni die reguläre IRS-Anmeldungsfrist für das Steuerjahr 2025. Rückerstattungen werden normalerweise innerhalb von 30 Tagen nach Einreichung bearbeitet, was bedeutet, dass die erste Tranche Ende Juli erwartet wird. Die OCC-Warnung deutet darauf hin, dass dieser Prozess verzögert ist, doch die Autoridade Tributária e Aduaneira (AT) veröffentlichte am 5. Juni Zahlen, die ein anderes Bild zeigen: 92% aller Anmeldungen wurden innerhalb der gesetzlichen Frist bearbeitet, gegenüber 89% im Jahr 2025. Die Verzögerung betrifft hauptsächlich komplexe Fälle mit Auslandseinkünften oder NHR-Regimen (Non-Habitual Resident), die manuelle Überprüfung erfordern.
Portugal
Laut AT wurden bis zum 5. Juni 2026 insgesamt 6,8 Millionen IRS-Anmeldungen eingereicht, davon 6,26 Millionen (92%) innerhalb der Standard-30-Tage-Frist bearbeitet. Die verbleibenden 540.000 Anmeldungen betreffen hauptsächlich Fälle mit Auslandsdividenden, Kryptogewinnen oder NHR-Ansprüchen, die zusätzliche Kontrolle erfordern. Die durchschnittliche Rückerstattung betrug 2025 1.240 EUR, vergleichbar mit 2024. Quelle: AT-Pressemitteilung 5. Juni 2026. Für Expats und HNWI mit NHR-Status oder IFICI-Anträgen (das neue Regime, das NHR ab 2024 ersetzt) bedeutet dies, dass Rückerstattungen 60-90 Tage statt 30 Tage dauern können. Die AT priorisiert einfache Lohnsteuer-Anmeldungen, während Dossiers mit Treaty-Ansprüchen oder ausländischen Steuergutschriften manuell überprüft werden. Wer vor dem 15. Mai angemeldet hat, erhält normalerweise Ende Juli die Auszahlung, es sei denn, die Anmeldung ist zur Überprüfung gekennzeichnet. Die praktische Falle: Wer auf eine schnelle Rückerstattung zur Deckung der Liquidität rechnet, läuft Risiko. Die AT zahlt keine Zinsen auf verzögerte Rückerstattungen innerhalb der ersten 90 Tage. Wer nach 90 Tagen noch wartet, kann 4% Jahreszinsen geltend machen, muss dafür aber einen formellen Antrag über Portal das Finanças einreichen. Die OCC empfiehlt, bei komplexen Dossiers mindestens 60 Tage Puffer einzuplanen. Vergleiche deine Situation mit Portugal → Die Zahlen lassen sich unterschiedlich auslegen: Die AT betont, dass 92% pünktlich bearbeitet wurden, die OCC weist auf absolute Zahlen hin (540.000 ausstehende Dossiers). Beides ist wahr, die Frage ist, ob 8% Verzögerung für ein System akzeptabel ist, das 6,8 Millionen Anmeldungen bearbeitet. Für wen es entscheidend relevant ist: Expats mit Treaty-Ansprüchen oder Kryptogewinnen fallen normalerweise in diese 8%.